Unwirtliche Plätze

Am Beispiel Hannover zeige ich öffentliche Plätze, deren Gestaltung auf Ideale des Betonbrutalismus der 1970er Jahre zurückgeht. Den Andreas-Hermes-Platz mit einem monstösen Rundbrunnen nutzt kaum jemand außer Drogenkranken. Der Brunnen misst 40 Meter im Durchmesser, und durch den Hotelneubau, der den Platz jetzt dominiert, ist die Lage des Brunnens prekär geworden. Der Raschplatz als tiefergelegte Steinplattenwüste lässt als “Trogkonstruktion” Aufenthaltsqualität vermissen. Daran hat auch ein millionenschwerer Umbau vor einigen Jahren nichts geändert. Beiden Plätzen fehlt es an Gebrauchswert für die Anlieger. Der Küchengarten ist ein Relikt des ehemals schlüssigen Betonensembles aus Ihmezentrum, der inzwischen abgerissenen Fußgängerhochbrücke und dem bestehenden plattgeflastertem Aufenthaltsraum. Die Fußgängerhochbrücke sollte die Käuferströme von der Limmerstraße in die Shops im Ihmezentrum lotsen. Nachdem die Shoppingtempel der zentralen Fußgängerzone um den Kröpke die Läden im Ihmezentrum in den Ruin getrieben hatten, war der Abriss der Fußgängerbrücke die logische Folge. Der Platz am Küchengarten wird von Anwohnern stark frequentiert, trotz Betonklötzen und ausufernden Plattenflächen. Alleine die Gestaltung definiert offensichtlich nicht die Aufenthaltsqualität. Noch in den 1950er Jahren war der Küchengarten eine schöne Wiese mit Bänken drumherum und Kiosken für die Flaneure. Jetzt hat er Betonpoller, einen Edelstahl-Trinkbrunnen und einbetonierte Stühle, die ergonomisch eine Katastrophe sind. Sobald sich eine Nutzergruppe wie die Skater am Küchengarten regelmäßig trifft, folgen Mütter mit Kindern, Restaurantbesucher und andere. Alleine Begrünung, Springbrunnen und ein kleiner Park werden vermutlich weder am Andreas-Hermes-Platz noch am Raschplatz genügen, um dort einen angenehmen Aufenthalt zu gewährleisten.